Academic thesis
| Jacqueline Schorn: | Eine vielschichtige Erzählung. Materielle und immaterielle Aspekte der Seidenpapierarbeit „Double Head“ (1987) von Adriena Šimotová | Back |
| Language: | Original - Translation | |
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| Abstract: | Im Dezember 2023 stießen zwei Restauratorinnen im Depot des Museums moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok) auf eine großformatige Seidenpapierarbeit der tschechischen Künstlerin Adriena Šimotová. Der stark vergilbte Zustand und die fragile, komplexe Struktur des Werks warfen grundlegende Fragen auf: Welche Bedeutung kommt dem Objekt zu – und wie lassen sich Zustand und Materialeinsatz im Hinblick auf die künstlerische Intention interpretieren? Diese erste Begegnung mit dem Werk, später als Double Head identifiziert, markierte den Ausgangspunkt einer interdisziplinären Forschung, die kunsthistorische, restauratorische und kontextuelle Zugänge verband. Ziel war es, Double Head (1987) unter Berücksichtigung seiner Materialität, seines Konzepts, Entstehungskontexts und seiner Objektbiografie zu dokumentieren, zu analysieren und eine nachhaltige Erhaltungsstrategie zu entwickeln. Adriena Šimotová (1926–2014), zentrale Figur der ‚inoffiziellen‘ Kunstszene der ehemaligen Tschechoslowakei, arbeitete unter eingeschränkten Bedingungen in einem verlassenen Kloster. Vom ‚offiziellen‘ Kunstbetrieb ausgeschlossen, stützte sie sich auf ein solidarisches Netzwerk, das ihr Zugang zu Materialien und alternativen Ausstellungsräumen ermöglichte. Double Head, bestehend aus sechzehn Lagen Seidenpapier, spiegelt diese Bedingungen wider und ist zugleich beeindruckendes Zeugnis ihrer Frottage-Technik. Die Arbeit nähert sich dem Werk durch Archivrecherchen, Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie ein experimentelles Re-enactment des Herstellungsprozesses. Die materialökologische Perspektive diente dabei als methodischer Leitfaden – ein Ansatz, der materielle Spuren, Herstellungskontext und performative Dimensionen in Beziehung setzt. Eine objektbiografische Zustandsanalyse ermöglichte es, Schäden und Alterungsspuren historisch und kontextuell einzuordnen. Die darauf aufbauenden Maßnahmen sind auf die besonderen Anforderungen des Objekts abgestimmt und künftig auf vergleichbare Objekte aus Seidenpapier, übertragbar. Diese Arbeit versteht sich als Beitrag zur restauratorischen Forschung an konzeptuell wie materiell komplexen Objekten und zeigt, wie durch eine interdisziplinäre Annäherung nicht nur Erhaltung, sondern auch eine vertiefte Vermittlung künstlerischer Intention ermöglicht werden kann. |
| Keywords: | Ggroßformatiges Seidenpapier, Adriena Šimotová, Materialökologie, material agency, Re-enactment, Objektbiografie, Intarsien |
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